Das Morgan Horse- eine Rasse mit Geschichte

In einer Zeit, die von großen Unruhen und Neuorganisationen im politischen und gesellschaftlichen Bereich gekennzeichnet war, erscheint plötzlich eine neue Pferderasse auf dem Bildschirm: Das Morgan Horse. Doch was war es, was seinen phänomenalen Siegeszug in Amerika erst möglich gemacht hat, was es dem amerikanischen Volk so wertvoll gemacht hat, dass es bis zum heutigen Tag die einzige staatlich geförderte Rasse blieb? Dazu müssen wir zuerst ein Verständnis für die damalige Zeit bekommen.

In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts bekamen die Menschen überall in der bekannten Welt ein völlig neues Bewusstsein. In Europa begann die große Zeit der Aufklärung, Philosophen wie Emanuel Kant, Schriftsteller wie Johann Wolfgang von Goethe und Entdecker wie Alexander von Humboldt sorgten dafür, den Menschen zu neuen Denkweisen zu verhelfen. Die "Alte Weltordnung" mit der typischen Ständepyramide, die seit dem Mittelalter Bestand hatte, wurde vielerorts angezweifelt und das neue Wissen um bahnbrechende Entdeckungen in den Naturwissenschaften wie der Mathematik, Biologie, Physik und Chemie, sowie die neuen Erkenntnisse der Geologie machte die Welt für die Menschen immer besser erklärbar und erschütterte das Fundament der Kirchen.

Zu diesem Zeitpunkt war es dann auch,dass die europäischen Siedler Nordamerikas das Gefühl hatten, immer mehr zu einer Nation zusammenzuwachsen und, vor allem, dem britischen Mutterland keine Abgaben mehr zu schulden. Dieser Glaube, und vor allem der Glaube daran, dass jeder Mensch gleich sein sollte, für sein eigenes Schicksal und Glück verantwortlich sein sollte, mündete schließlich im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg ( 1775-1783), die "Gründerväter"traten an die Stelle des ehemaligen europäischen Herrscherhauses und verabschiedeten letztlich im Jahr 1787 die Verfassung der Vereinigten Staaten von Amerika, die bis auf wenige Ergänzungen seit dem damaligen Tag gültig ist und Bestand hat.

history
Die Vorderseite einer heutigen 2 US-Dollarnote mit einem Portrait von "Gründervater" Thomas Jefferson
history
Die Rückseite der Note mit der Unterzeichnung der Unabhängigkeitserklärung.



  ZURÜCK

In dieser Zeit also hat ein junger Mann namens Justin Morgan gelebt, der in einigen Quellen als Musiklehrer, in anderen als Lehrer, als Komponist kirchlicher Lieder wie Psalmen oder aber als "stallioneer" , was so viel heißt wie ein Makler für Hengste , beschrieben wird. Tatsache ist, die damalige Zeit war eine Zeit, in der ein Mann jede Gelegenheit beim Schopf ergreifen musste, um sich über Wasser zu halten. Vielerorts brandeten in den 1770/80er Jahren immer wieder Unruhen auf ( z.B. Die Bosten Tea Party 1773) , das Bekenntnis zu einer der kriegführenden Gruppen, der "Loyalisten,"d. h. Königstreuen oder aber deren Gegenspieler , der "Kontinentalisten" war oftmals ein wahrer Akt auf dem Drahtseil. Gesinnungen schlugen plötzlich um, Freunde und Kollegen entzweiten sich und eine weitverbreitete Praxis, unliebsame Bürger loszuwerden , bestand darin, dass der Mensch kurzerhand " zwangsverschifft" wurde, will heißen auf das nächst beste Schiff gesetzt wurde, das in Richtung Europa ablegen wollte- wofür der Passagier dann oftmals noch seine "Reise" abarbeiten musste. Der Besitz in Amerika wurde dann großzügig aufgeteilt oder, im Eifer des Gefechts, einfach angezündet.

history
Ein Gemälde der Boston Tea Party von Currier and Ives.

history
Die FLagge der Vereinigten Staaten von Amerika nach dem Beitritt Vermonts 1791



Eine wirklich aufregende Zeit - und kein Wunder, dass man stets versucht war, so viele Dokumente wie möglich aus dieser Zeit zu retten. Daher wissen wir auch heute noch viel über die Entstehung des Morgan Horses und die Lebensgeschichte des ersten Morgan Horses, des "Gründervaters" unserer Rasse, des Hengstes Figure, später Justin Morgan genannt. Justin Morgan, der Mann, lebte also im Gebiet des heutigen Massachusetts und verdiente sich sein Brot auf verschiedene Arten. Er besaß einen hervorragenden Leumund, seine Familie stammte noch von den ersten Siedlern ab und er kam aus angesehenem, nicht armen Elternhaus, besaß Bildung und konnte schreiben ,war immer wieder in der kommunalen Politik tätig und bekleidete mehrere offizielle Ämter, wie z.B. Steuereintreiber, Stadtkämmerer oder Gerichtsbeisitzender. Durch seine Lehrtätigkeit bereiste er weite Teile der Kolonien und kam mit vielen Persönlichkeiten und deren guten, teuren Pferden in Kontakt, was sicherlich seiner Maklertätigkeit förderlich war.
Morgan, verheiratet mit einer Cousine namens Martha Day, war schon von Kindesbeinen mit Pferden vertraut. Als achter von elf Brüdern hinterließ sein Vater ihm einen Teil der elterlichen Farm- viel zu klein , um eine Familie zu ernähren. Morgan hatte offensichtlich ein Auge für Pferde, ist das, was wir heute einen Pferdemenschen nennen würden.

history
Justin Morgan, der Mann



  ZURÜCK

Er war, wie man heute vermutet im Besitz einer Stute namens Wild Diamond, eine Stute, die eher dem heutigen Bild eines Ponys entspricht, in den Quellen aber als ein Pferd mit viel Araber-oder wohl mehr Berber-Blut beschrieben wird. . Sie war eher klein, von kräftiger, nahezu plumper Statur mit viel Behang starker Bemuskelung- vielleicht so, wie wir die heutigen Dales-Ponys erleben. Ihre Farbe war ein helles braun ( bay), was vielleicht erklärt, warum Figure, der aus der Anpaarung mit dem braunen Hengstes True Briton oder Britain, später als Beautiful Bay bekannt, die dunkelbraune Farbe fast durchgängig vererbte.
Der Vollbluthengst True Briton, ein Sohn des Vollblüters Traveller befand sich ehemals im Besitz von Colonel James Delancy, der kaum eine Gelegenheit ausließ, seinen neidischen Mitbürgern sein schönes und begehrtes Pferd vorzuführen. Dazu machte er sich als Mitglied der loyalistischen englischen Armee jede Menge Feinde, wenn Nahrungsmittel und Bedarfsgüter für die Versorgung des Heeres im Unabhängigkeitskrieg akquiriert wurden und er bei diesen Gelegenheiten alle Farmen im näheren und weiteren Umkreis mit seinen Soldaten plünderte. Nun begab es sich aber einmal, dass er seinen zweifelsohne wertvollsten Besitz, seinen Hengst True Briton, unbeaufsichtigt ließ und ein eifersüchtiger Mitbürger eine günstige Gelegenheit beim Schopf ergriff, indem er den Hengst kurzerhand kidnappte und von Delanceys Heimat in New York auf dem Rücken des Pferdes nach Connecticut floh. Der Name des Diebes ist soweit unbekannt, er wurde nie zur Verantwortung gezogen- zu groß war die Schadenfreude der Menschen. Der Name des Hengstes wurde im Folgenden immer einmal wieder geändert und letztlich erhielt er den Namen Beautiful Bay. Da Bay im Stall eines gewissen John Morgan, dem Cousin von Justin Morgan stand, kannte Justin ihn wohl schon einige Zeit, bevor er ihn zur Zucht mit seiner Wild Diamond nutzte. Wahrscheinlich makelte er sogar diesen außergewöhnlichen und sehr bekannten Hengst. Und auch wenn es immer wieder Hinweise gibt, Figure könnte Blut von Friesen in seinen Adern haben- die Bezeichnung "Dutch horse", die auf seinen späteren und auf den Deckanzeigen seiner Söhne immer wieder vorkommt, ist wohl ein Hinweis auf die Herkunft Beautiful Bays- die holländisch/friesisch besiedelte Gegend von New York.
Und obwohl in vielen Quellen immer wieder die Rede davon ist, dass Figure teil einer Wettschuld gewesen sein könnte, dass Justin Morgan anfangs überhaupt nicht von den Qualitäten seines Pferdes überzeugt war, sieht es nach neueren Erkenntnissen doch immer mehr so aus, dass er Figure als Fohlen , unter Umständen sogar in utero mit der Mutterstute verkaufen musste, ihn aber über die Jahre nie aus den Augen verlor, obwohl er mittlerweile mit seiner Familie nach Randolph,Vermont umgezogen war.

history
Eine Zeichnung von Figure, Künstler unbekannt

history
Eine zeitgenössische Darstellung von Figurel



Als Dreijähriger wurde Figure dann, im Besitz von Samuel Whitman und Ebenezer Barnard , in einigen Zeitungen inseriert und sollte nun mit Decksprüngen für ein wenig Einkommen sorgen. In den Annoncen, gefunden in alten Archiven von der berühmten amerikanischen Historikerin Sue M. Brandner, deren Spezialgebiet das 18. Jahrhundert und die Geschichte des Morgan Horses ist, wird Figure als ein braunes, ca. 1,53 m/ 15 hands großes Pferd beschrieben. Oftmals wird heute noch publiziert, Figure sei sehr klein gewesen- was er im Vergleich zu örtlichen Kaltblütern oder schweren Warmblütern auch war- doch er war tatsächlich mit seinem Stockmass mehr als ausreichend groß für die im 18 Jahrhundert überwiegend wesentlich kleineren Menschen.
Offenbar kam es zu geschäftlichen Differenzen zwischen den Herren Whitman und Barnard und als man beschloss, Figure zu verkaufen, war Justin Morgan sofort zur Stelle.
Wir wissen, dass Figure ab dem nächsten Jahr in Vermont zum Decken aufgestallt war und er machte sich dort schnell einen Namen. Seine Zähigkeit, seine Ausdauer, sein Leistungswille und seine unbrechbare Loyalität zu seinem Menschen gab Figure konstant an seine Nachkommen weiter.
Und auch seine Statur, sein hübsches Gesicht und sogar in vielen Fällen , wie oben bereits erwähnt, die dunkelbraune Farbe vererbte er durchschlagend.
Justin Morgan hatte kein leichtes Leben, von seinen acht Kindern verlor er zwei schon in jungen Jahren und nachdem er seine Frau ebenfalls ans Kindbettfieber verlor, verstärkten sich auch seine gesundheitlichen Probleme, bis er schließlich im Jahr 1798 im Alter von 51 Jahren an den Folgen einer Tuberkulose verstarb.
Er zog offenbar viel Kraft aus kirchlichen Liedern, von denen er selbst einige komponierte; acht Stück sind uns bis zum heutigen Tag erhalten geblieben.
Schon vor seinem Tod verlieh Justin Morgan seinen Hengst Figure, wir wissen, das er selbst den Hengst nur drei Jahre lang genutzt und annonciert hat.
Offenbar genoss Morgan ein solch hohes Ansehen und sein Name war ein "Gütesiegel" für Pferde , dass Figure in späterer Zeit als Justin Morgans Horse bekannt wurde, obwohl Morgan den Hengst nur drei Jahre im eigenen Stall hatte.
Schon 1795 wurde Figure an einen Robert Evans verliehen, der mit seiner Hilfe Wald gerodet hat, Zäune baute und Boden für Farmer urbar machte- eine wirkliche Knochenarbeit für Mensch und Tier. Figure bewältigte oftmals ein Arbeitspensum, das andere Farmer nicht mit zwei ihrer besten Kaltblüter schafften und wurde in seiner "Freizeit" für alle möglichen , damals unter Farmern sehr beliebten Wettbewerbe um Kraft, Stärke, Schnelligkeit und Ausdauer genutzt- die er alle gewann. Schließlich wurde das Niveau der Bedingungen stetig gesteigert und Figure wurde unschlagbar. 1796 wurde dann die berühmte Morgan Mile ins Leben gerufen, die zur klassischen Rennstrecke für Figure und seine Gegner wurde- doch dazu später mehr.
Schnell wurde das "Morgan`s Horse" Legende.

history
Die historische Morgan Mile

history
Die Landschaft von Vermont- gut zu sehen, das hügelige und unwegsame Gelände



In den folgenden Jahren ging Figure dann durch viele Hände, Justin Morgan tauschten den Hengst offenbar für eine genügend große Fläche Land (100 Acre ) zur Versorgung seiner Kinder und gab ihn an Samuel Allen, der ihn aber im selben Jahr noch an William Rice, Woodstock, VT, verkaufte. Während dieser Zeit wurde Figure hauptsächlich für Rennen trainiert, startete sogar gegen viele als unbesiegbar geltende Vollblüter und sicherte sich seinen Platz in der Rennszene.
Bei all dem Temperament war Figure immer sanfter Natur, vorsichtig im Umgang mit Frauen und Kindern und liebte es, geputzt und beschmust zu werden. Nur Hunde mochte er ganz und gar nicht, und es wird berichtet, dass er, wenn eben möglich , versuchte ihrer habhaft zu werden, wenn sie auf seine Weide gelaufen kamen.
1811 wurde Figure, nachdem er in der Zwischenzeit noch mehrfach den Besitzer wechselte, an Jacob Langsmade in New Hampshire verkauft, der ihn als Zugpferd für den Güterverkehr nutzte, wo er bei Wind und Wetter, unter schwersten Straßenbedingungen vor den schweren Waggons seinen Dienst ableistete. Man kann sich die fürchterlichen Bedingungen vorstellen, die stupide Arbeit, den immensen Kraftaufwand- all das zehrte an Figures Kraft- doch er überwand jedes Hindernis.
Das Ende seiner Leiden kam drei Jahre später, als Figure , mittlerweile als "Justin Morgans Horse" bekannt, im Jahr 1814 an Joel Goss und Joseph Rogers verkauft wurde.
Endlich kam Figure wieder zurück nach Vermont, wurde aufgefüttert, auftrainiert und im Jahr 1817 sogar auf einer Vermonter Messe ausgestellt. Ob es dort war, wo der amerikanische Präsident James Monroe auf ihn aufmerksam wurde, ist nicht bekannt, doch am 22. Juli wurde er bei einer Parade vom Präsidenten der Vereinigten Staaten geritten. Man berichtet, gerade Figuers tänzerische Bewegung und sein einrucksvolles, temperamentvolles Gebaren, zog die Blicke des Publikums magisch an. Zu dieser Zeit auch zeugte Figure seine Söhne Woodbury und Revenge.
Zwei Jahre später zog das Morgan Horse dann in den Stall von Levi Bean ein, wo er schließlich auch verstarb. Und welch eine Ironie- nach solch einem bewegten Leben zog Figure sich , berauscht von seiner Freiheit und getrieben von fast kindlichem Übermut, beim Toben auf der winterlichen Koppel einen Riss in der Flanke zu. Offenbar versäumte man es oder war vielleicht nicht in Lage, diese Verletzung adäquat zu behandeln und so schloss Figure im Alter von 32 Jahren zum letzten Mal die Augen.

history
Justin Morgan`s Horse

history
Der Grabstein von Figure auf dem Gelande der UVM -Farm, Weybridge, VT



  ZURÜCK

Wenn man jetzt bedenkt, dass die Nation Amerika nun in den Kinderschuhen steckte, die meisten Menschen ihr Pferd für die Farmarbeit, Arbeiten des täglichen Lebens und zusätzlich auch als Kutschpferd am Sonntag brauchten, dieses Pferd aber möglichst pflegeleicht sein musste, d.h. problemlose Hufe haben musste, dem Klima entsprechend ein dickes Winterfell haben musste, unkompliziert und leichtfuttrig und dazu auch noch eindrucksvoll und imposant sein musste- nun, die Entscheidung für ein Morgan Horse lag sicher nahe.
Wie ein Stehaufmännchen erholte Figure sich von allen Strapazen, die das Leben für ihn bereithielt, nichts schien ihn zu erschüttern und kein Unbill konnte ihn unterkriegen. Für viele Menschen wurde er zu einem Symbol der Hoffnung in diesen schwierigen Zeiten und seine Zähigkeit war metaphorisch für den Willen der Menschen, trotz widrigster Vorzeichen für ihre Ideale und die neuen Ideen zu kämpfen. Und so blieb es seinen Nachkommen überlassen, der Nation Amerika beim Aufbau ihres Landes zu helfen.

Obwohl Figure zahlreiche Fohlen zeugte , selbstverständlich ebenso Stuten wie Hengste, sind doch drei Söhne des Morgan Horses von besonderer Bedeutung für die heutige Zucht. Ihre Namen waren Bulrush, Woodbury and Sherman Morgan und obwohl sie sich in einigen Merkmalen unterschieden- sie hatten schließlich verschiedene Stuten als Mütter- waren sie doch schon eindeutig Morgans.

Sherman
Morgan

history



Sherman Morgan wurde 1808 in Vermont geboren, er war ein heller Fuchs mit einem hohen weißen Bein und einer Blesse. Seine Mutter war wahrscheinlich eine Araber-oder Berberstute und er hatte ein hübsches Gesicht, schon sehr nah am heutigen Morgan Horse, mit kleinen Ohren und breiter Stirn. Wie alle begehrten Deckhengste seiner Zeit wechselte auch Sherman öfter den Besitzer, wurde in den unterschiedlichsten Einsatzgebieten genutzt. Bargeld war knapp und gute Pferde galten als hervorragendes Mittel zur Bezahlung durch ihren hohen Wiederverkaufswert. Er war ein hervorragendes Kutschpferd, wurde oft auch von Frauen gefahren, zog wie seiner Vater schwere Lasten im Güterverkehr, arbeitete auf Farmen und zeugte über 40 männliche Nachkommen. Stuten wurden leider im frühen 19ten Jahrhundert nicht registriert, so dass leider oftmals nur der Werdegang der Hengste bekannt wurde.
Sherman Morgan steht in der Morganzucht für die Farbe Fuchs, das Vermögen vor der Kutsche und besondere Schnelligkeit- er war der Vater zweier legendärer Trabrennpferde, Ethan Allen 50 und Black Hawk. Moderne Morgans gehen meist in mindestens einer Linie auf Sherman zurück- oftmals über die Hengste Ethan Allen und Mansfield.
Besonders viel Sherman-Morgan-Blut tragen heute die Morgans der Lambert-Linien und der Flyhawk-Linien in sich.

Bulrush
Morgan

history
Bulrush Morgan mit zeitgemäß coupiertem Schweif



Bulrush war der schwerste Typ der drei Brüder , ein unwahrscheinlich gut bemuskeltes braunes Pferd mit langer, wallender Mähne- von einer Länge bis über das Buggelenk ist die Rede- und dem Körperbau eines "Bodybuilders". Obwohl auch Bulrush einige berühmte Traber hervorgebracht hat, war sein Bruder Sherman in diesem Bereich doch erfolgreicher- erst in späteren Generationen wurden wahre Champions mit Bulrush-Blut geboren. Bulrush war ein relativ ruhiges Pferd mit unglaublicher Härte und Ausdauer und seine Geschwindigkeit sorgte immer wieder für Aufsehen.
Er zeugte verhältnismäßig wenige Fohlen, nur 16 Hengstfohlen waren registriert. Er selbst starb im Jahr 1848 im Aller von 36 Jahren.
Bulrushs Nachkommen waren ebenso berühmt für ihre Ausdauer wie der Vater; fast alle Fohlen, die er zeugte, konnten problemlos von morgens bis spät abends zum Holzrücken, dem Pflügen, Eggen oder anderen schweren Farmarbeiten eingesetzt werden und waren danach noch munter genug für eine Fahrt mit der Kutsche. Die Bulrush Morgans waren große, mächtige Pferde mit enormer Leistungsbereitschaft . Sie stellten keine großen Ansprüche an Futter und Haltung und waren ausgesprochene Arbeitspferde- sehr nützlich für all die Menschen, die auf die Muskelkraft ihres Pferdes angewiesen waren, um ihr tägliches Brot zu bekommen.
Fast alle männlichen Nachkommen Bulrushs waren jedoch schwierig im Umgang, sodass sie kurzerhand kastriert wurden. Die Stuten, die offensichtlich ein anders Temperament hatten, wurden zu den Gründerstuten der sogenannten Western-Working-Linien und gingen mit den Siedlern nach Westen , um bei der Besiedlung der neuen Kolonien zu helfen.

Woodbury
Morgan

history
Woodbury Morgan, ebenfalls mit dem damals üblichem, coupierten Schweif



Woodbury war größer als Sherman und Bulrush, ein wenig feiner als Bulrush, aber nicht so zierlich wie Sherman. Er war sehr temperamentvoll- wir würden heute sagen: sehr "showy" und liebte es, sich bei Paraden und auch allen anderen Gelegenheiten zu präsentieren. Er hatte viel Bewegung mit sehr viel Knieaktion und war unter dem Sattel ein ebenso beeindruckendes Pferd wie im Geschirr vor der Kutsche.
Die Woodbury-Fohlen wurden weniger zur Arbeit, als als Reitpferde für betuchte Personen eingesetzt, z.B. des höheren Militärs. Sie waren sehr elegant mit viel Knieaktion- ähnlich den heutigen "Park"-Morgans, hatten ein eher heißes Temperament und wurden zum Teil zu unwahrscheinlichen Summen gehandelt.
Obwohl Woodbury ein sehr begehrter Vererber war, er zeugte um die 1300 Fohlen, starb seine Blutlinie nach einigen Jahren fast aus und wir verdanken es den Morgan-Züchtern J.H. Peters in Bradford, VT, die über den Hengst Ethan Allen 2nd dieser Zuchtrichtung neuen Aufschwung gaben.
Der berühmteste Sohn Woodburys war Hales Green Mountain Morgan, der sowohl vom Exterieur , als auch vom Interieur einen Standard in Sachen Morgan Horse setzte, der dem heutigen Morgan Horse komplett entspricht. Er ist es auch, der auf heutigen Registrierungspapieren als "DAS" Morgan Horse abgedruckt ist.
Besonders viel "Woodbury-Blut" ist heute noch in den Linien des Hengstes Vigildon enthalten. Durch die Anpaarung von Morgans aus diesen verschiedenen Familien erhielt man schon bald ein Morgan für alle Gelegenheiten und Ansprüche, das jedem Verwendungszweck mehr als genügte.

history
Hale`s Green Mountain Morgan, benannt nach
der bekannten Militäreinheit der Vermonter "Green Mountain Boys" aus dem Unabhängigkeitskrieg
 

  ZURÜCK



Nur dreißig Jahre nach dem Beginn der Zucht mit dem Stammvater Figure starteten die Morgans in den bei Amerikanern zu der Zeit überaus beliebten Trabrennen außerhalb jeder Konkurrenz. Die noch zu Figures Zeiten im Jahr 1796 gegründete berühmte "Morgan Mile", auf der unter anderem diese Rennen traditionell stattfanden, wird seit 2008 wieder zu Rennen vor der Kutsche und unter dem Sattel genutzt und erfreut sich steigender Teilnehmerzahlen. Die Galopperszene wurde ebenfalls nach und nach von Morgans übernommen, deren Ehrgeiz und Siegeswille unschlagbar waren.

history
Morgan Horses in einem Kupferstich von Currier and Ives
history
Ethan Allen 50, das berühmteste und erfolgreichste Trabrennpferd seiner Zeit ( by Sherman Morgan)
 



Kein anderes Pferd dieser Zeit war so vielseitig wie ein Morgan Horse: es taugte zur Arbeit, war ein hervorragendes Kutsch- und Reitpferd, ein Militärpferd, das sowohl von einfachen Soldaten in täglichen Angelegenheiten, sowie von Offizieren und sogar Präsidenten bei Paraden genutzt werden konnte und zudem war es von jedermann zu handeln, egal ob Mann, Frau oder Kind. Die großen Städte konnte man sich schon bald ohne das Bild eines Morgans vor der Kutsche überhaupt nicht mehr vorstellen, Morgans waren das Pferd der Wahl für jede Gelegenheit und das Interesse an diesen Pferden stieg beständig.

history
Morgans vor der Kutsche in der Stadt
 
history
Morgans beim Militär
 



Nach und nach machten sich die ersten Siedler in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts auf, die bestehenden Grenzen der amerikanischen Kolonien zu überschreiten und wanderten nach Westen; die Zeit der großen Trecks begann. Und mit den Menschen gingen auch ihre Pferde- die Morgan Horses. Sie zogen den Wagen mit sämtlichen Haben Richtung Westen, halfen durch ihre Kraft und Ausdauer bei der Besiedlung des Landes und dem Aufbau neuer Häuser, Dörfer und Städte. Natürlich mussten Pferde, von denen das Wohl der gesamten Familie abhing, zuverlässig und belastbar sein und so verwundert es nicht, dass die Rasse des Morgan Horses immer beliebter wurde.

history
Morgans bei der Arbeit auf einer Rinderfarm

history
und bei der Feldarbeit, wie schon Figure eingesetzt wurde



Im Sezessionskrieg, dem großen amerikanischen Bürgerkrieg, wurden Morgans tausendfach als Kavalleriepferde eingesetzt- sie waren rittig, ausdauernd und vor allem schnell. Der Grossteil der Schlachten wurde auf dem Rücken von Morgans ausgetragen und der einzige Überlebende des Massakers am Little Big Horn war- wen wundert es- ein Morgan Horse namens Commanche.
Noch zahlreiche andere Morgan/Reiter Paare wurden im Verlauf des Bürgerkrieges legendär, doch von diesen soll an anderer Stelle die Rede sein.

history
Sheridan`s Ride als Gemälde, erhältlich bei der AMHA

history
und bei der Feldarbeit, wie schon Figure eingesetzt wurde



  ZURÜCK

Am Ende des 19. Jahrhunderts war das Morgan Horse auf dem Zenit seiner Beliebtheit, war maßgeblich nicht nur an der Gründung der Nation der Vereinigten Staaten von Amerika, sondern auch der Gründung der meisten anderen amerikanischen Pferderassen beteiligt. Ohne den Morgan ging nichts, er war das Herz und der Motor Amerikas.
Währendessen wurde in Vermont Joseph Battell geboren und er wuchs in Vermont mit diesen wunderbaren Pferden auf, deren Zucht und Erfassung er schließlich den Großteil seines Lebens widmete. Battell war ein außergewöhnlich wohlhabender Mann, ihm gehörten weite Teile des Staates Vermont und er hatte Geld genug, sich einige exzentrische Hobbys zu leisten. Er war Richter, Politiker, Zeitungsverleger, Schriftsteller, Fotograf und Pferdezüchter- und noch viel mehr. Joseph Battell gründete seine Morgan Horse Farm in Weybridge, Vermont und nach seinem Tod vermachte er alle seine Pferde , den Grund und Boden und seine Farm der Regierung der USA, mit der Prämisse, die Zucht des Morgan Horses in seinem Namen weiterzuführen.

history
Das von Joseph Battell gebaute Hauptstallgebäude im Jahr 1956
history
Das Hauptstallgebäude der UVM-Farm heute.r



Sein vielleicht größter Verdienst um das Morgan Horse aber war die Herausgabe eines Morgan Horse Registers und die Einführung eines Registrierungsstandards . Diese Werk, das auf 996 Seiten zahlreiche Illustrationen, Briefe, Beschreibungen, Stammbäume und alle anderen möglichen Informationen über Battells geliebte Pferde enthielt erschien im Jahr 1894, gefolgt von einem zweiten Teil im Jahr 1905. Er verstarb, bevor er den dritten Teil seins umfangreichen Lebenswerkes beenden konnte. Für die Erfassung der dafür nötigen Daten scheute Battell weder Kosten noch Mühen.
Doch auch als Morgan Horse Züchter hinterlies Battell ein großes Vermächtnis. Er nutzte den Hengst General Gates 666 als Gründerhengst seiner Zucht und hinterlies so seinen Stempel in den Stammbäumen der meisten Pferde der Government-Linien.

history
General Gates, im Besitz von Colonel Joseph Battell, Begründer der "Government-Zucht"

history
General Gates vor der Kutsche



  ZURÜCK

Durch die Erfindung des Automobils, dem Bau von schweren Landmaschinen, Straßenbahnen, Bussen und dem Ausbau der Eisenbahn war schon bald der Bedarf
an Pferden eingeschränkt. Im 20.ten Jahrhundert gab es immer wieder berühmte Morgan Horses und Morgan Horse Züchter, die sich besonders um die Rasse verdient gemacht haben.
Einige Portraits sind unter dem Kapitel Blutlinien erstellt und werden demnächst auf dieser Website ergänzt werden.

Abschließend ein Gedicht des Künstlers und Fotografen Robert Vavra, das er für den Morgan Hengst Lord Appleton verfasst hatte. Lord Appleton befand sich damals im Besitz der Familie Martha und Henry DuPont, deren großzügigen Stiftungen wir heute unter Anderem das Morgan Horse Museum verdanken.

Das Gedicht erschien in dem Buch " Ten of the World´s Most Beautiful Equines" von Robert Vavra

Figure was his name.
Justin Morgan was his name.
Morgan horse is my name!

Justin Morgan had a horse like me,
praised from Vermont to Tennessee.

America had
a horse
like
me
like
me
like me.

Custer had a horse like me.
So did Stonewall,
Sheridan,
Lee.

American from my muscle grew.
We grew together, grew.

Justin Morgan
had
a
horse
like
me
like
me
like
me.

history
Das Cover des Buches "Ten of the world`s most beautiful
Equines" von Robert Vavra.Lord Appleton ziert das Cover

© 2010 by Stefanie Niggemeier ;
Artikel erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit

Quellennachweis:
"The complete Morgan Horse" by Jeanne Mellin- Herrick ,
"The Morgan Horse" by Sally Spencer,
" Morgan Horse" by D.C. Linsley
"Vermont Morgan Horse Guide"
"The Morgan Horse" das Magazin der AMHA